Erholung vom Sachbuch
Aufbau Literatur Kalender 2019

Erholung vom Sachbuch

Aufbau Literatur Kalender 2019

Das Jahr ist rum. Jedenfalls so gut wie. Im Mai sah ich die ersten gedruckten Kalender für 2019 in den einschlägigen Läden. Und erwarb sogleich für meinen edlen Ledereinband den gelochten Einleger fürs nächste Jahr. Hoffend, dass eine immer neue aktuelle Variante bis zum Ende meiner Tage gedruckt vorliegt. Das teure Leder hält vermutlich noch länger. Schon deshalb bleibt es in Gebrauch. Mit dem Gespött einiger Leute, die ihre „dates“ im Smartphone durch die Gegend tragen, kann ich leben. Mehr noch. Sie tun mir leid. Kein Orthopäde wird ihre Rücken kurieren können, die sie Tag für Tag beugen, um mit stierem Blick auf das Display dem Handy quasi hinterher zu laufen.

Würden sie die Welt mit einem richtigen Buch erkunden, ginge es ihnen besser. In gerader Haltung, hinter mir die Lehne meines Sessels, tauche ich Abend für Abend ein in die Gutenbergsche Welt der Buchstaben.

Leider wächst in m einer Wohnung die Zahl der ungelesenen Bücher. Ich hatte mit Eintritt ins Rentenalter das Abschmelzen des Stapels erhofft. Da ich aber weiter emsig vor mich hinwerkele, hat sich die Zeit fürs Schmökern nicht vergrößert. Deshalb kaufe ich auch weiter schneller als ich lese. Der Berg wird größer. Dazu wird auch mein Lieblingskalender – mit meinem Termin-„Ding“ in Leder hat er nur den Namen gemeinsam und ist ansonsten von einem anderen Stern – wieder einen geschätzten Beitrag leisten. Die ständigen Leser dieser Kolumne wissen, es geht um den Aufbau Literatur Kalender. Ja, sie haben ihn bestimmt schon gekauft. Sie warten längst nicht mehr ab, bis ich sie im letzten Heft des Jahres in ihre Kiezbuchhandlung scheuche. Ein Werk mit Suchtpotenzial. Zudem eines, um das sich die Drogenbeauftragte der Bundesregierung nicht kümmern muss. Die heißt Marlene Mortler, ist Tochter eines fränkischen Hopfen-Bauern, hat den elterlichen Hof später übernommen und inzwischen an ihre Kinder übergeben. Das habe ich gern bei Wikipedia gelesen. Denn ich hoffe, dass sie sich neben dem Drogenthema als geerdete Fränkin und der Sorgen um den Hof nunmehr ledig  auch dem Lesen widmet. Zum Beispiel des Aufbau Literatur Kalenders. Dazu passt nicht nur Rotwein, sondern auch ein kühles Bier. Ein bisschen Tradition muss sein. Erst recht in Franken, der Region mit der weltweit größten Brauereidichte.

Bei mir liegt die Ausgabe 2019 – das ist der 52. Jahrgang und der Tusch gerechtfertigt – seit einer guten Woche auf dem Tisch. Ich habe geblättert, aber mit großer Disziplin ein Festlesen verhindert. Ich versaue mir doch nicht die Freude, die ich auch im kommenden Jahr Woche für Woche genießen werde. Nämlich dann, wenn ich das jeweils aktuelle Kalenderblatt als Text in Kombination mit schönen Illustrationen in aller Ruhe zur Kenntnis nehmen kann.

Das Jahr, so viel will ich schon verraten,  beginnt mit Jerome David Salinger. Der 1919 geborene und 2010 gestorbene US-Amerikaner erlangte mit „Der Fänger im Roggen Weltruhm“. Das Buch steht in meinem Bücherschrank, und ich habe es natürlich auch gelesen.

Den Mann auf Blatt 2, Johann Georg Forster, kenne ich mit Namen und Profession. Er hat als 17jähriger James Cook auf dessen zweiter Weltumseglung begleitet.

Von Inger Christensen hingehen habe ich noch nie gehört. Sie treffe ich in der Woche vom 14. bis 20. Januar. Ihr Konterfei ist sehr sympathisch, und sie kommt aus meinem Lieblings-Urlaubsland, aus Dänemark. Ich befürchte, ich muss ein weiteres Mal das Buchkaufverbot meiner lieben Frau übertreten. Sie hat ja Recht: Die Regale sind mit über 4000 Büchern übervoll, und es gilt das Prinzip, es gibt keine zweite Reihe.

Aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Sie fühlen die Magie des Aufbau Literatur Kalenders? Bitte erliegen sie ihr auch. Das passiert mit allen Menschen aus Fleisch und Blut und dem Herzen auf dem rechten Fleck. Und die krummgebeugten Displaygaffer? Auch für diese Spezies stirbt die Hoffnung zuletzt.

Thomas Böhm und Catrin Polojachtof (Hrsg.): Aufbau Literatur Kalender 2019
Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin
52. Jahrgang, 2018
ISBN 978-3-351-03694-2
www.aufbau-verlag.de

Schreibe einen Kommentar

Menu schließen