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19. November 2017

Besser als erwartet

Der Geschäftsführende Präsident des OSV, Dr. Michael Ermrich, Pressesprecherin Cosima Ningelgen und Verbandsgeschäftsführer Wolfgang Zender, v.l.n.r.

Halbjahrespressekonferenz des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV)

Besser als erwartet

Deutlich wachsende Nachfrage nach Unternehmenskrediten, aber sinkende Zinserträge

Mit dem anhaltend schwierigen regulatorischen und zinspolitischen Umfeld verbanden sich noch im Februar dieses Jahres eher pessimistische Erwartungen für die wirtschaftliche Entwicklung der OSV-Sparkassen. Tatsächlich waren die Zahlen nun doch besser als eingangs prognostiziert. Lesen Sie im Folgenden eine Zusammenfassung der halbjährlichen Bilanzpressekonferenz des Ostdeutschen Sparkassenverbandes am 29. August in Berlin.

Das Neukreditgeschäft der 45 Mitgliedssparkassen im OSV boomt. Im ersten Halbjahr 2017 wurden neue Kredite in Höhe von 5,3 Milliarden Euro bewilligt – ein Plus von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders zulegen konnten die Kredite für Unternehmen und Selbstständige, die nun mit 2,7 Milliarden Euro mehr als die Hälfte der vergebenen Kreditsumme ausmachen. Die Kreditvergabe an Privatpersonen erreichte mit 2,3 Milliarden Euro ebenfalls ein Allzeithoch.

Auch insgesamt konnten die OSV-Sparkassen ihr Geschäftsvolumen im ersten Halbjahr deutlich steigern. „Die ostdeutschen Sparkassen bleiben eigenkapitalstark, sind zuverlässige Stützen der wirtschaftlichen Entwicklung in ihren Geschäftsgebieten und erfüllen damit ihren öffentlichen Auftrag“, so Dr. Michael Ermrich, Geschäftsführender Präsident des OSV.

Das kundennahe, stabile und regional verankerte Sparkassengeschäft benötige allerdings auch die nötigen Freiräume. In diesem Zusammenhang sei es wichtig, dass zwischen lokalen Instituten und internationalen Finanzkonzernen differenziert werde. Die Regulierungsgesetzgebung dürfe das Wirken der Sparkassen im Rahmen der europäischen und globalen Harmonisierungsbestrebungen nicht unnötig aufs Spiel setzen, so Dr. Ermrich.

Beispielhaft verwies der Geschäftsführende Präsident des OSV auf Pläne zur Einführung einer europäischen Einlagensicherung. „Wir sind dagegen, dass direkt oder indirekt von unseren Sparern erwirtschaftete Mittel im Notfall zur Auszahlung von Kundeneinlagen insolventer Banken mit riskanten Geschäftsmodellen in anderen Staaten mitverwendet werden sollen. Und wir erwarten dass die Politik darauf hinwirkt, dass die bestehende EU-Einlagensicherungsrichtlinie vollständig umgesetzt wird.“

Der Geschäftsführende Präsident des OSV, Dr. Michael Ermrich, Pressesprecherin Cosima Ningelgen und Verbandsgeschäftsführer Wolfgang Zender, v.l.n.r.

Vorsichtige Prognosen

Insgesamt bewerten Dr. Ermrich und Verbandsgeschäftsführer Wolfgang Zender die Ergebnisse als zufriedenstellend. Das Kreditvolumen sei um insgesamt 1,5 Milliarden Euro auf 51,5 Milliarden Euro bzw. drei Prozent gestiegen. Dieses Wachstum verteile sich auf die Segmente Unternehmen und Selbstständige (+1,1 Mrd. Euro bzw. +4,7 Prozent) und Privatpersonen (+0,68 Mrd. Euro bzw. +3,4 Prozent). Einzig in der Kategorie öffentliche Haushalte/Sonstiges ergab sich ein leichter Rückgang um 0,25 Milliarden Euro.

Wie in den Vorjahren registrierten die OSV-Sparkassen ein leichtes Wachstum bei den Einlagen. Diese stiegen um 37 Millionen auf 96,4 Milliarden Euro.

Nach wie vor bevorzugen die Kunden kurzfristig verfügbare Anlagen. So wuchs der Bestand an Anlagen mit normaler Verzinsung im ersten Halbjahr 2017 um 8,2 Prozent auf 10,6 Milliarden Euro.

Darüber hinaus ist das Interesse an Wertpapieren spürbar gestiegen. Die Kunden der OSV-Sparkassen kauften Papiere im Wert von 2,6 Milliarden Euro und verkauften im Wert von 1,9 Milliarden Euro. Der Nettoabsatz betrug demnach knapp 0,7 Milliarden Euro und überstieg den Vorjahreswert um 12,5 Prozent. Das Geldvermögen der Privatkunden wuchs in den ersten sechs Monaten 2017 um 1,6 Milliarden auf 125 Milliarden Euro.

In Summe erwarten die OSV-Sparkassen 2017 operative Erträge in Höhe von 3,11 Milliarden Euro. Dieser Wert läge um rund zwei Prozent unter dem des Vorjahres. Im Detail stehen den sinkenden Zinserträgen von 171 Millionen Euro voraussichtlich nur geringe Entlastungen durch einen niedrigeren Zinsaufwand von minus 43 Millionen Euro gegenüber. Vor allem im Bereich der Eigenanlagen werden erneut deutliche Ertragseinbußen zu erwarten sein. Im Kundenkreditgeschäft und bei den Zinserträgen aus Wohnungsbaukrediten erwarten die OSV-Sparkassen zurückgehende Überschüsse, die nur zum Teil durch ein Plus bei den Provisionen ausgeglichen werden können. Vor diesem Hintergrund und aufgrund von Kostensteigerungen und der Niedrigzinsphase sei für die OSV-Sparkassen zu erwarten, dass sich die Rentabilität im Jahr 2017 weniger gut entwickeln werde als noch im Vorjahr. Grundsätzlich rechne man im OSV allerdings recht vorsichtig, sodass auch eine kontinuierliche Entwicklung weiterhin möglich bleibt, so Dr. Ermrich.

Info:
www.osv-online.de